Sarah ist nach Abschluss ihrer Ausbildung mit 21 Jahren für “Work and Travel” nach Australien aufgebrochen.

Dort hat sie die ersten zwei Monate einen Sprachkurs an der “Embassy English School” gemacht und sich dann kurzerhand entschieden als Au Pair zu arbeiten. Die Entscheidung war sehr spontan, denn alles was Sarah dafür gemacht hat, ist in das Büro ihrer Organisation zu gehen um nach Jobs zu schauen und da entdeckte sie dann den Aushang der Familie. Ein Anruf und ein paar Treffen später und Sarah hatte den Job als Au Pair in der Tasche. Ursprünglich waren nur drei Monate geplant, aber da sie sich so super mit ihrer Gastfamilie verstand wurden es dann 9 Monate! Eine unvergessliche Zeit in einer relaxten australischen Familie in der Nähe von Manly Beach. Hier kümmerte sie sich um zwei Mädchen im Alter von 4 und 7 Jahren.

Wie bist du auf die Idee gekommen Au Pair zu werden?

Mit dem Gedanken “Work and Travel” zu machen bin ich in Sydney angekommen. Ich war dann die ersten zwei Monate für den Sprachkurs komplett in Sydney. Als ich den Aushang meiner Gastfamilie im AIFS Büro gesehen habe, da kam mir spontan der Gedanke: “Ja, also Au Pair wäre sicher auch nicht schlecht, da hat man freie Kost und Logis, bekommt Taschengeld und vielleicht kann ich ja sogar aushandeln, dass ich öfter mal Urlaub bekomme, damit ich zwischendurch reisen kann”. So hat das dann auch alles für mich geklappt. Allerdings auch nur, weil ich das mit dem Urlaub direkt im Vorstellungsgespräch angesprochen habe.

War das denn für die Familie so einfach dir zwischendurch freizugeben?

Ja, das war kein Problem, da meine Gastfamilie ihr eigenes Unternehmen hat. Sie sind Geschäftsführer von einer Schwimmschule und mehreren Hallenbädern in Sydney. Somit konnten sie sich ihre Zeit selbst einteilen. Wenn ich Urlaub genommen habe, dann hat meine Gastmutter von zu Hause gearbeitet.

Warum Australien und nicht USA?

Ich hatte ja meine Ausbildung gerade abgeschlossen, die Luft war raus und ich dachte ich muss noch etwas aufregendes machen bevor ich mich ins Berufsleben stürze. Australien war irgendwie noch so in meinem Kopf, da ich damals im Geografieunterricht einen Vortrag über Australien gehalten habe. Das “Opera House” und die “Harbour Bridge” waren mir irgendwie noch so in Erinnerung geblieben und ich wollte einfach weit weg, um mich in ein richtiges Abenteuer zu stürzen. Die USA haben mich noch nie so interessiert. Aber es war klar, dass ich in ein englischsprachiges Land gehe.

Was würdest du im Nachhinein anders machen, wenn du nochmal Au Pair wärst?

Das ist eine schwere Frage, denn ich denke, wenn man mit Kindern arbeitet, dann entscheidet man vieles aus dem Bauch heraus.

Aber wenn ich so darüber nachdenke würde ich nichts anders machen. Für mich ist es ideal gelaufen. Ich habe den Aushang der Familie gesehen, habe dann da angerufen, bin hingefahren um mich vorzustellen und zwei Wochen später bin ich eingezogen. Ich musste keine Bewerbung schreiben oder so.

Was sind die Top Dinge, die du aus deiner Au Pair Zeit gelernt hast?

Also jetzt auf Australien speziell: das man einfach das Leben so nehmen soll wie es ist. “The easy going Australian way of life”. Das fehlt mir hier auch immer noch total oft, besonders, wenn mal wieder Stress ist bzw. man sich selbst Stress macht. Was mir fehlt ist das typische australische Leben, bei dem die Leute in Flip Flops und Sonnenbrille ins Büro gehen und nach Feierabend mit dem Surfbrett unter dem Arm mit einem kleinen Abstecher zum Strand nach Hause laufen.

Was war dein schönstes Au Pair Erlebnis?

Keine Ahnung wo ich anfangen soll. In Australien ist jeder Tag toll. Einen speziellen Moment kann ich da jetzt gar nicht rauspicken. Ich denke, was ich schön fand, ist einfach dieses andere Lebensgefühl. Ich habe ja in der Nähe von Manly gewohnt und das ist schon genial, wenn man nach einer kurzen Busfahrt am Strand ankommt oder sich zu Hause auf der Terrasse sonnen kann und ein paar Meter weiter der Pool wartet.

In Australien ist das einfach ein anderes Leben. Man hat das Gefühl, dass alles einfacher ist.

Was ich in meiner Freizeit geliebt habe ist: die “George Street” entlang zu laufen in Richtung Opera House um mich dann in den Botanischen Garten zu legen und Musik zu hören. Das war einfach immer total cool. Außerdem abends in Sydney weggehen.

Auch mit der Familie kann ich mich schwer auf einen Moment beschränken, weil wir uns so gut verstanden haben. Es hat alles gepasst. Ich möchte allerdings an dieser Stelle mein Geburtstagsgeschenk erwähnen. Ich hatte ab und an mal gesagt, dass ich gerne lernen würde die Gitarre zu spielen und da haben sie mir dann Gitarrenstunden zum Geburtstag geschenkt! Das war wirklich sehr aufmerksam! Ein weiteres schönes Erlebnis mit der Familie war unser gemeinsamer Familienbesuch in Adelaide. Da bin ich zum ersten Mal Business Class geflogen.

Hast du einen Top Tipp für angehende Au Pairs?

Ich denke, dass es ganz wichtig ist, dass man sich beim Bewerbungsgespräch so gibt, wie man wirklich ist. Trotz der Aufregung ist es entscheidend authentisch zu sein. Man muß ja feststellen, ob man zu der Familie passt, denn mit denen verbringt man schliesslich die meiste Zeit. Ich finde es außerdem wichtig, daß man beim Bewerbungsgespräch die Kinder kennenlernt. Da sollte man immer drauf bestehen. Die zwei Mädels waren bei mir auch dabei und ich habe direkt gemerkt, dass wir eine Verbindung hatten. Das hat mich bestätigt, das dies der richtige Job für mich ist. Ich finde es einfach wichtig, dass man alle Familienmitglieder kennenlernt.

Was ich auch empfehlen kann, ist das man einen Probetag macht. Darauf hatte damals meine Gastmutter bestanden, so daß man den Alltag der Familie “live” miterlebt. Ich habe mich sehr gut mit meiner Gastfamilie verstanden, somit hatte ich auch ein gutes Gefühl, als ich zwei Wochen später eingezogen bin.

Ein weiterer Tipp ist sich eine Liste zu schreiben, was einem wichtig ist. Man sollte feste Vorstellungen haben, wonach man sucht, was man möchte und vor allem was man nicht möchte.

Hattest du mit Heimweh zu tun und wenn ja wie bist du damit umgegangen?

Ich bin generell nicht so der “Heimweh Typ” muß ich sagen. Wenn man sich in der Familie wohl fühlt und generell auch in dem Land, dann denk ich, daß das kein Thema ist.

Aber an bestimmten Tagen war mir dann doch ein bisschen wehmütig. An meinem Geburtstag zum Beispiel. Da habe ich ganz viele Briefe, Karten und Geschenke von zu Hause bekommen und habe meine Liebsten schon sehr vermisst. Aber das würde ich auch gar nicht wirklich als Heimweh bezeichnen, das waren eher so einzelne Momente.

Manchmal war es ein bisschen langweilig. Also tagsüber, wenn man so darauf wartet, dass man die Kinder abholen geht und vorher nicht wirklich viel machen kann. Irgendwann ist am Pool liegen halt auch langweilig. Das ist zwar ein Luxusproblem, aber es ist so. Und dann denkt man sich halt irgendwie: “Jetzt wäre es cool, wenn ich ins Auto steigen könnte um mit meiner besten Freundin in Deutschland einen Kaffee trinken zu gehen.” Aber das ist wirklich sehr selten der Fall gewesen.

Man lernt so viele Leute kennen und hat so viele Möglichkeiten Dinge zu erleben, von daher hatte ich nicht wirklich viel mit Heimweh zu tun.

Hattest du in irgendeiner Form mit Kulturschock zu tun?

Naja, ich komm ja vom Land und Sydney war bis dahin die größte Stadt, in der ich für längere Zeit gelebt habe. Auf dem Land ist es ja eher so, daß jeder jeden kennt und in Sydney war das dann anfänglich komisch, weil ich das Gefühl hatte, daß man sehr anonym unterwegs ist. Das war kein richtiger Kulturschock, aber ich mußte mich an die neue Situation erstmal gewöhnen. Später hat mich das dann gar nicht mehr gestört. Ganz im Gegenteil, ich fand es nach meiner Rückkehr in Deutschland komisch, dass einen jeder auf der Straße kannte.

Die andere Situation an die ich mich im Sinne “Kulturschock” erinnere ist folgende: ich bin nach “Alice Springs” geflogen um von dort aus meine Outback Tour zu starten und habe dort dann die ganzen Aborigines gesehen, die auf der Straße Alkohol und Drogen konsumieren und teilweise sehr aufdringlich waren. Das war auch das erste und einzige Mal in Australien, dass ich mich nicht frei bzw. nicht alleine von A nach B bewegen konnte.

Würdest du es empfehlen einen Sprachkurs zu machen?

Ja, definitiv. Ich habe ja die ersten zwei Monate einen Vollzeit Sprachkurs gemacht, also ca. 8 Std. pro Tag. Ich muss sagen, das war so der Startschuß in mein Jahr. Da habe ich mein Englisch verbessert und gleichzeitig super viele coole Leute kennengelernt. Nach Kursende sind wir immer zusammen feiern gegangen, teilweise die ganze Nacht, also das war eine mega geniale zeit! Ich würde diese Zeit nicht missen wollen!

Mein Englisch hat sich da wirklich verbessert. Ich weiss nicht, ob das jetzt nur am Kurs lag, aber in meiner Klasse gab es keinen anderen Deutschen und so musste ich mich wirklich komplett auf Englisch verständigen.

Gab es für dich auch mal eine schwierige Situation im Au Pair Job?

Die gab es ja. Ich fand es immer sehr schwierig, wenn die Eltern zu Hause waren. Weil ich da einfach oft die Situation hatte, daß die Kinder dann versucht haben uns auszuspielen. Zum Beispiel habe ich etwas verboten und die Kinder sind dann zu Mama oder Papa gegangen um nochmal das gleiche zu fragen. Wir haben uns da aber doch ganz gut ergänzt. Mein Gasteltern haben dann gefragt: “Was hat Sarah gesagt?” und das hat dann auch gezählt, da haben sie mich in meiner Entscheidung unterstützt. Aber Kinder versuchen das halt. Ich war aber nicht oft in dieser Situation. Meistens war ich mit den Kindern alleine.

Würdest du ein Au Pair Jahr empfehlen?

Zu 100%. Das bringt einen in vielen Bereichen weiter. Im Umgang mit Kindern angefangen, dann natürlich die sprachliche Weiterentwicklung usw. Du erweiterst deinen Horizont. Besonders in einem Land wie Australien. Australien hat einfach viel zu bieten. Sydney ist zum Beispiel kulturell sehr vielseitig. Australier sind sehr offen und sehr freundlich und das macht einem das Ganze ziemlich leicht. Und es ist vom Klima her toll. Ich denke, es macht einem das einfacher, wenn das Wetter mitspielt. Es gab nie Situationen, wo ich flüchten wollte, aber das liegt auch an meiner tollen Gastfamilie.

Tipp für Australien?

Klar, da kommt wieder an erster Stelle Sydney. Sydney ist einfach ganz tief in meinem Herzen. Diese Stadt hat viel zu bieten: Strände, Nachtleben und so viel Spass überall. Sydney ist auf jeden Fall Nr.1.- das hat mich gepackt.

Wofür man sich auch auf jeden Fall Zeit nehmen sollte, ist das Outback inklusive Ayers Rock, Cape Tribulation, Fraser Island, die Whitsunday Islands und die Great Ocean Road. Das Tauchen am Great Barrier Reef war natürlich auch ein einzigartiges Erlebnis.

 

Wenn du auch Au Pair in England, USA oder Australien bist, dann werde mein Interviewgast! Schreibe mir einfach eine Nachricht über “Kontakt”. Ich freue mich auf dich!

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Mel

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