Mareike kommt aus einem kleinen Ort in der Nähe von Bremen. Nachdem Abitur entschloss sie sich im Sommer 2015 als Au Pair nach England zu gehen.

Ihre Gastfamilie: Britisch/ Schwedisch. Drei Mädchen im Alter von 4, 8 und 10. Diese Familie war gerade von Schweden in einen Vorort von London gezogen.

Mareike hat ihre Au Pair Zeit nach ca. 5 Monaten abgebrochen und ist nach Deutschland zurückgekehrt.

Wie bist du auf die Idee gekommen Au Pair zu werden?

Auf die Idee gekommen bin ich, weil ich lange gebabysittet habe. Ich hatte ein “Babysitterkind” hier in Deutschland auf das ich über ein Jahr aufgepasst habe. Dieses ist auch noch relativ klein, jetzt gerade ist sie 3 1/2 Jahre. Mir hat es sehr gefallen zu sehen, wie sie sich entwickelt hat. Als ich sie kennengelernt habe, da konnte sie kaum ein Wort sprechen und ein Jahr später, konnte sie nicht mehr damit aufhören. Ich fand es sehr schön, an diesem Prozess teilzunehmen. Außerdem wollte ich mein Englisch unbedingt verbessern. Ich denke zwar, wir hier in Deutschland haben schon ein relativ hohes Niveau in Englisch, aber es ist immer noch verbesserungswürdig.

Warum hast du dich für England entschieden?

Weil ich England schon immer schön fand. Mich hat es z.B. nie gereizt in die USA zu gehen, es hat mich einfach nicht interessiert. Ich fand England schöner, zum einen aufgrund der Landschaften und zum anderen war ich schon immer von London fasziniert. Außerdem mag ich den britischen Akzent sehr gerne.

Warst du denn schonmal zuvor in England gewesen?

Nein. Ich kannte es nur aus Fernsehen/Büchern/ Internet, aber ich konnte mir gut vorstellen dorthin zu gehen.

Was würdest du im Nachhinein anders machen, wenn du jetzt nochmal neu starten würdest?

Ich denke, ich habe zu wenig “gemeckert”. Ich habe zu viele Sachen hingenommen, die mich gestört haben. Der Grund dafür war, dass ich mir immer gedacht habe: “Ich bin hier als Au Pair, die bezahlen mich dafür” und das war ein komplett falsches Denken.

Ich weiß nicht, ob es irgendetwas geändert hätte, wenn ich etwas gesagt hätte, aber vielleicht wäre mir früher klar geworden, dass ich in dieser Familie nicht glücklich werden kann und hätte dann noch genug Energie gehabt mir eine neue Familie zu suchen. Ich habe die Situation leider so lange hingenommen, bis ich nicht mehr konnte und dann nur noch nach Hause wollte und habe mir damit selber die Chance verbaut nochmal neu zu starten.

Ich muss dazu sagen, dass ich ja die ersten 2 Monate im Hotel gewohnt habe, weil das Haus meiner Gastfamilie nicht fertig war und dadurch hatte ich meine Privatsphäre und habe die Familie auch gar nicht so kennengelernt, wie als wir dann ins Haus eingezogen sind.

Was sind die Top Dinge, die du in deiner Au Pair Zeit gelernt hast?

Ich habe gelernt mich mehr zu äußern, anstatt Dinge für mich zu behalten. Wenn ich Au Pair nochmal machen würde oder in einer anderen Situation bin, die ähnlich ist, dann würde ich etwas sagen und es nicht so weit kommen lassen, dass ich mich total unglücklich mache indem ich nichts sage.

Ich bin selbständig geworden, dadurch dass ich sozusagen gegen diese Familie auf mich alleine gestellt war.

Und ich habe für mich erkannt, daß ich irgendwann nach London zurückkehren will, vielleicht dann ja auch endgültig.

Was war dein schönstes Au Pair Erlebnis?

Der Tag mit den Kindern in “Odds Farm“. Das fand ich sehr schön, weil ich die drei mal “für mich” hatte und wir wirklich viel Spass zusammen hatten. Ich konnte mich das allererste Mal nach 4 Monaten mit den beiden älteren alleine unterhalten. Ich empfand es schon zuvor oft als schade, dass ich auf drei Kinder aufpasse, aber doch nur das jüngste so richtig gut kenne, weil ich mit ihr die meiste Zeit verbrachte.

Was ist dein Top Tipp für angehende Au Pairs?

Ich würde sagen, wenn ein Au Pair in ein Land geht wie England, wo es mit EasyJet oder Ryanair viele Billigflüge gibt, dann sollte man die Chance nutzen und die Familie besuchen, bevor man seine Au Pair Zeit beginnt.

Als Beispiel möchte ich hier auch gerne nennen, dass ich eine Familie im Juni besucht habe, diese war auch total nett, aber ich habe gemerkt, dass die Familie nicht zu mir passt und mich gegen sie entschieden. Bei der Familie für die ich mich dann letztendlich entschieden habe war ein Besuch leider nicht möglich, weil sie selbst erst eine Woche bevor meine Au Pair Zeit beginnen sollte nach England geflogen sind.

Natürlich kann man nicht jede Familie besuchen mit der man im Gespräch ist, aber wenn es auf die Entscheidungsphase zugeht, dann sollte man meiner Meinung nach fragen, ob die Möglichkeit besteht ein Wochenende zu Besuch zu kommen. Sollte die Familie das dann aus nicht nachvollziehbaren Gründen nicht wollen, dann ist das kein gutes Zeichen.

Wie sollte man mit Heimweh umgehen?

Ich denke, das beste ist darüber zu reden. Mit Freunden, mit der Gastfamilie, mit der eigenen Familie. Ganz offen sein, einfach sagen, dass es einem nicht gut geht, das man Heimweh hat, vielleicht auch überlegen was man zu Hause vermisst. Denn vielleicht sind das ja Dinge, die man eigentlich gar nicht vermissen müsste, sondern die man da auch hat. Was einem aber vielleicht vorher nicht bewusst war. Viele sagen, dass man bei Heimweh nicht so viel mit der Familie zu Hause skypen sollte, aber ich habe mit meinen Eltern täglich Kontakt gehabt. Wir hatten so eine “WhatsApp Familiengruppe” eingerichtet und dadurch habe ich nicht mehr Heimweh bekommen, sondern hatte eher das Gefühl, das meine Familie nicht weit weg ist.

Hast du in irgendeiner Form mit Kulturschock zu tun gehabt?

Nein, nicht das ich wüsste 😉

Würdest du empfehlen einen Sprachkurs zu machen?

Ja. Erstens lernt man da Leute kennen, besonders wenn man neu in England ist und dort noch niemanden kennt ist das super.

Zweitens denke ich, dass es besonders am Anfang hilfreich ist, um da so diesen Einstieg zu erleichtern. Wenn man z.B. im Alltag Dinge nicht versteht, dann kann man seinen Sprachlehrer fragen.

Zudem war es auch immer eine Abwechslung im Alltag und ich habe mich immer darauf gefreut.

Und als letzten Punkt: es war gut, dass man wenigstens zweimal die Woche das Gehirn anstrengen musste. Als Au Pair hat man ja hauptsächlich Haushalts- und Kinderbetreuungsaufgaben. Besonders nachdem Abitur, wo man ja täglich mehrere Stunden lernen musste, hatte ich das Gefühl es war gut zumindest ab und zu was zu lernen.

Denkst du das der Kurs dich sprachlich voran gebracht hat, oder hättest du dein Englisch Niveau auch ohne den Kurs nach vorne bringen können?

Ich glaube das der Kurs schon geholfen hat, aber ich kann nicht sagen, ob ich mein Englisch genauso hätte verbessern können ohne den Kurs.

An welcher Sprachschule warst du?

Ich war an der “Beaconsfield School of Language“. Und der Kurs heißt: “English for Au Pairs.”

Denkst du, es ist eine gute Idee Weihnachten nach Hause zu fliegen oder sollte man lieber bei seiner Gastfamilie bleiben?

Um ehrlich zu sein, ich wäre gerne über Weihnachten in England geblieben, aber meine Au Pair Familie hatte schon in ihrem “Job-Angebot” geschrieben haben, dass ich Weihnachten frei habe. Für mich hörte sich das nach einer Aufforderung an, an Weihnachten nicht präsent zu sein.

Generell finde ich es aber auch nicht schlecht über Weihnachten nach Hause zu fliegen und bei den meisten von meinen Au Pair Freunden, war es auch so, dass sie nach 10 Tagen gesagt haben: “So, jetzt muss ich aber langsam auch wieder nach England zurück.”

Ich glaube, dass wenn es mit der Gastfamilie gut läuft, es egal ist was man tut. Wenn man in England bleibt, wird man eine schöne Zeit mit der Gastfamilie haben und wenn man Weihnachten in Deutschland bleibt, wird man sich auch wieder auf die Familie freuen. Wenn es mit der Gastfamilie allerdings nicht so gut läuft, dann sieht es in beiden Fällen schlecht aus.

Gab es in deiner Au Pair Zeit Situationen, die du als schwierig empfunden hast?

Ich fand es schwierig manche Aufgaben wie z.B. das Bügeln in meiner Arbeitszeit zu erledigen und habe dann teilweise auch meine Freizeit dafür verwendet. In meinem Vertrag stand zwar, dass Überstunden bezahlt werden, aber da wir am Anfang nicht genau darüber gesprochen haben wie und wann ich bezahlt werde, wenn ich Überstunden mache, habe ich dafür auch keine Vergütung bekommen. Im Nachhinein kann ich angehenden Au Pairs nur raten diese Dinge direkt am Anfang abzuklären, damit sie später nicht zu Problemen werden.

Würdest du das Au Pair Jahr empfehlen?

Ja, jeder der sich eine Auszeit wünscht, einfach mal in einem anderen Land leben will oder seine Sprachkenntnisse verbessern möchte, sollte auf jeden Fall über einen Au Pair Aufenthalt nachdenken. Wichtig ist, dass man sich vorher sehr gut mit dem Thema auseinandersetzt, also mit ehemaligen Au Pairs redet, sich Informationen durch das lesen von Blogs holt und so weiter. Das Wichtigste aber ist, wartet auf die richtige Familie! Wenn ihr keine zu dem von euch gewünschten Zeitpunkt findet, verschiebt das ganze lieber noch einmal nach hinten als in der falschen Familie zu landen. Stellt viele Fragen und skypt oft mit der Familie um sie auch wirklich gut kennenzulernen, dann steht einem perfekten Au Pair – Aufenthalt nichts im Weg!

Mareike schreibt übrigens ihren eigenen Blog. Wenn ihr also mehr über sie und ihre Zeit als Au Pair erfahren möchtet, dann schaut mal vorbei auf: mareikegoestoengland.jimdo.com.

 

Wenn du auch Au Pair in England, USA oder Australien bist, dann werde mein Interviewgast! Schreibe mir einfach eine Nachricht über “Kontakt”. Ich freue mich auf dich!

 

 

 

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Mel

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